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Freitag, 03.04.2020

Warmzeit hielt Antarktis eisfrei

Südpol war einst dicht bewaldet

Forscher haben in einem Bohrkern aus der Westantarktis Relikte eines 90 Millionen Jahre alten Regenwaldes entdeckt. Die Funde deuten darauf hin, dass selbst der Südpol damals eisfrei gewesen sein muss.

So könnte die Pflanzenwelt rund um den Südpol vor 90 Millionen Jahren inmitten des Erdzeitalters der Kreidezeit ausgesehen haben. Künstlerische Darstellung: Alfred-Wegener-Institut

Dass das Klima der Erde in ihrer Vergangenheit immer wieder großen Schwankungen unterlag, ist nicht neu. So wechselten sich Warmzeiten immer wieder mit Eiszeiten ab, in denen große Teile der Kontinente von kilometerdicken Eispanzern bedeckt waren. Bohrungen von Forschern des Alfred-Wegener-Instituts vor der Küste der Antarktis haben jetzt ergeben, dass der heute so eisige Kontinent vor rund 90 Millionen Jahren weitgehend eisfrei gewesen sein muss. Stattdessen war das Land sogar jenseits des südlichen Polarkreises von üppigem Regenwald bedeckt.

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts haben von Bord des Forschungsschiffes "Polarstern" im Jahr 2017 Bohrkerne im Sediment vor der Küste der Westantarktis entnommen. Bild: Alfred-Wegener-Institut

Darauf deutet versteinerter Waldboden mit Pflanzenresten hin, den die Forscher in einer Sedimentschicht in rund 30 Meter Tiefe gefunden haben. Sie konnten Wurzelwerk von Bäumen sowie Pflanzenpollen identifizieren, die nur in einem gemäßigten Regenwald gewachsen sein können, wie er heute etwa im Süden Neuseelands zu finden ist. Wie die Forscher anhand von Klimamodellen berechneten, hat die Jahresmitteltemperatur am Rande des Kontinents bei etwa plus 12 Grad gelegen. Selbst am Südpol muss mildes und feuchtes Klima vorgeherrscht haben.

Trotz Kontinentalverschiebung lag die Antarktis vor 90 Millionen Jahren schon fast in der gleichen Position wie heute. Der Ort der Bohrprobe war damals sogar nur 900 Kilometer vom Südpol entfernt. Bild: Alfred-Wegener-Institut

Wie die Forscher anhand von Klimamodellen weiter ermittelten, kann die üppige Vegetation trotz einer rund viermonatigen Polarnacht so nahe am Südpol nur existiert haben, wenn der ganze Kontinent weitgehend eisfrei war. Das wiederum wäre nur unter der Voraussetzung möglich, dass die Konzentration des Treibhausgases CO2 weltweit mindestens drei bis vier mal so hoch war wie heute. Der Meeresspiegel muss dabei bis zu 170 Meter über den heutigen Pegeln gelegen haben und das Wasser der tropischen Ozeane rund 35 Grad warm gewesen sein.

Forscher bei der Sichtung der Sedimentproben aus der Antarktis. Bild: Alfred-Wegener-Institut

Die große Frage lautet nun: Wenn es in der Antarktis damals so warm werden konnte, was hat dann im Anschluss dazu geführt, dass sich das Klima so stark abkühlte und kilometerdicke Eisschilde entstanden? Die Klimasimulationen der Forscher konnten darauf keine zufriedenstellende Antwort liefern. So ist es nun Aufgabe und Herausforderung der internationalen Klimaforschung, mögliche Ursachen für die dafür notwendigen Kipppunkte im Klimasystem zu ergründen.

Die Informationen dieses Beitrags basieren auf einer Veröffentlichung des Alfred-Wegener-Instituts.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline Redaktion)

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