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Dienstag, 07.12.2021

Mit bloßem Auge kaum sichtbar

Komet Leonard am Morgenhimmel

Sterngucker haben dieser Tage mal wieder einen Kometen im Visier. Der auf den Namen Leonard getaufte Schweifstern steht frühmorgens am Osthimmel. Entgegen vielen Medienberichten ist er mit bloßem Auge aber kaum zu sehen. Deutlich besser stehen die Chancen, ein paar Sternschnuppen der Geminiden zu erspähen.

Im Fernrohr bietet der Komet Leonard einen spektakulären Anblick. Die Fokussierung auf den Kometen lässt die Hintergrundsterne als Strichspuren erscheinen. Bild: Robin Sievert

Leonard ist erst Anfang Januar entdeckt worden und kommt der Erde am 12. Dezember mit knapp 35 Millionen Kilometer Entfernung am nächsten. Anschließend ist er von der Nordhalbkugel der Erde aus kaum noch zu sehen, doch taucht er dafür dann am Himmel über der Südhalbkugel auf. Dort könnte er kurzzeitig hell genug werden, um auch mit bloßem Auge gut sichtbar zu sein. Astronomen sind allerdings nicht sicher, ob er seinen für den 3. Januar 2022 erwarteten nahen Vorbeiflug an der Sonne heil überstehen oder dabei auseinanderbrechen wird.

Der aktuelle Sternhimmel mit Blickrichtung Osten um 06:00 Uhr früh im mittleren Deutschland: Leonard befindet sich links unterhalb von Arktur im Sternbild Bootes und sinkt von Nacht zu Nacht weiter dem Horizont entgegen.

Wer den kosmischen Vagabunden erspähen will, sollte am besten mit einem Feldstecher oder Fernrohr, besser noch mit Hilfe einer guten Fotoausrüstung sein Glück versuchen. Dabei ist allerdings ein möglichst dunkler Standort abseits störender Lichtquellen mit freier Sicht zum Osthorizont notwendig. Leonard steht derzeit nahe dem auffälligen Stern Arkturus im Sternbild Bootes (siehe Grafik). Bei einer etwas längeren Belichtungszeit ist er dort fotografisch gut auffindbar. Aber auch in einem Fernglas sollte der Komet auszumachen sein.

Nach der Monatsmitte steht Leonard schon zu nah an der Sonne, um von Mitteleuropa aus weiter sichtbar zu sein. Auf der Südhalbkugel könnte er dagegen um Weihnachten herum gut zu sehen sein, obwohl er sich schon wieder von der Erde entfernt. Doch nach seiner Sonnenpassage im Januar wird Leonard rasch verblassen und nur noch mit optischen Hilfsmitteln sichtbar sein. Nach den Berechnungen der Astronomen wird er auch nie mehr wiederkehren, sondern aus unserem Sonnensystem herausgeschleudert und in den Tiefen des Alls verschwinden.

Wer nicht das Glück hat den Kometen zu Gesicht zu bekommen, sei mit den hier nochmals präsentierten Fotos des Kometen Neowise getröstet, der im Sommer 2020 auch über Mitteleuropa ein eindrucksvolles Schauspiel am Nachthimmel geboten hat:

Für alle, die vergeblich nach Leonard Ausschau halten, hat der Dezember immerhin ein Trostpflaster zu bieten: Um den 13. Dezember herum erreicht der Sternschnuppenschwarm der Geminiden seinen alljährlichen Höhepunkt. Bis zu 150 Sternschnuppen pro Stunde können dann bei optimalen Bedingungen über den Himmel huschen. Das sind genug, um mit etwas Glück wenigstens ab und zu mal eine Schnuppe zu erhaschen. Voraussetzung ist allerdings, dass es dazu auch größere Wolkenlücken gibt.

Nur selten zeigt sich der Sternenhimmel im Dezember hierzulande so klar, wie auf diesem Bild.

Die Geminiden gelten als ergiebigster Sternschnuppenschwarm des Jahres und übertreffen sogar die berühmten sommerlichen Perseiden deutlich. Leider sind die Beobachtungsbedingungen im Dezember hierzulande nur selten günstig und wenn es mal klar genug ist, muss man oft schneidende Kälte in Kauf nehmen. In diesem Jahr kommt noch ein weiteres störendes Element hinzu: Der Mond, der Mitte des Monats die Vollmond-Phase erreicht und daher lichtschwächere Objekte am Nachthimmel leicht überstrahlen kann.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline-Redaktion)

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