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Mittwoch, 11.07.2018

Siedlungsreste in Feldern

Dürre macht Relikte sichtbar

Die Dürre hat in Teilen Großbritanniens, aber auch in weiten Teilen Europas unerwartete Folgen: Die Trockenheit macht alte Siedlungsreste aus der Eisenzeit wieder sichtbar. Ursache ist unterschiedliches Pflanzenwachstum auf den Feldern.

Rechteckige Spuren in diesem Feld in Wales deuten auf Siedlungsreste aus der Eisenzeit hin. Bild: CBHC / RCAHMW

Verräterische rechteckige Strukturen auf den ausgetrockneten Feldern: In Wales haben Archäologen mit Hilfe von Drohnen alte Siedlungsreste entdeckt. Unterschiede im Pflanzenwachstum auf Wiesen und Äckern brachten dort Hinweise auf verschollene Reste von Steinmauern, Wällen, alten Wegen und Gräben. Geschichtsforscher gehen davon aus, dass es sich um Siedlungen aus der Eisenzeit (ca. 750 v. Chr. - 200 n. Chr.) handeln könnte. Die Strukturen sind sonst unsichtbar und kamen erst aufgrund der langen Dürre zum Vorschein.

Nicht alle Spuren deuten auf jahrhundertealte Relikte hin. Auf dieser ausgetrockneten Wiese in Lasham werden alte Markierungen eines provisorischen Militärflugplatzes aus dem zweiten Weltkrieg sichtbar. Bild: Paul Willems via Facebook

In anderen Ländern Europas dürfte dieses Phänomen aktuell ebenfalls zu beobachten sein. Rechteckige oder in Linien angeordnete gelbe Streifen im Gras oder geometrische grüne Flecken auf ansonsten verdorrten Wiesen deuten in vielen Fällen auf alte menschliche Spuren hin. Wie alt diese Spuren sind, ist jedoch für Laien schwierig zu sagen: Auf einer Wiese im Britischen Lasham in Hampshire kamen beispielsweise alte Wegmarken eines provisorischen Militärflugplatzes aus dem zweiten Weltkrieg zum Vorschein.

Auch in trockenen Flussbetten finden sich manchmal Hinweise früherer Dürren. Berühmt ist dieser sogenannte Hungerstein bei Tetschen im Norden von Tschechien mit Inschriften und Jahreszahlen, die nur bei extremem Niedrigwasser zu sehen sind. Bild: Norbert Kaiser

Auch in Flüssen können jetzt Relikte aus vergangenen Zeiten gefunden werden. In der Donau und in der Elbe werden bei Niedrigwasser sogenannte Hungersteine sichtbar: Große Steine oder Felsen auf dem Grund des Flussbettes, die manchmal mit Jahreszahlen oder Inschriften versehen sind. Die Steine werden Hungersteine genannt, weil auf große Dürren oft Missernten und damit Hungersnöte folgten. Die Inschrift eines bekannten Elbe-Hungersteins bei Tetschen im heutigen Tschechien lautet dann auch passend: "Wenn Du mich siehst, dann weine".

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