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Donnerstag, 15.10.2020

Überflutungen an der Ostseeküste

GISELA bringt Sturmhochwasser

Sturmtief GISELA hat die Ostsee ordentlich aufgewühlt. Viele Küstenabschnitte wurden überspült, auch Straßen standen unter Wasser. Eine Region war besonders schwer betroffen

Der starke Nordostwind drückt das Wasser der Ostsee bis in die Trave in Lübeck hinein. Einige Straßen in der Altstadt werden dabei überspült. Der Pegel erreichte am Mittwochnachmittag 1,20 Meter über Normal. Bild: dpa

Das Sturmhochwasser hat am Mittwoch an der Ostseeküste einige Schäden hinterlassen. Teile des Stralsunder Hafens wurden überschwemmt. In Wismar ertönten die Sirenen wegen Hochwassers im Hafenbereich. In Rostock-Warnemünde schwappte das Wasser über die Mittelmole. Zudem standen Strandkörbe im Wasser und mussten geborgen werden. In Greifswald wurde das Sperrwerk geschlossen, um das Stadtgebiet und das flache Gelände an der Dänischen Wiek vor Hochwasser zu schützen.

In Wismar wartet ein Mann auf einer überfluteten Straße am Stadthafen auf das grüne Licht der Fußgängerampel. Bild: dpa

In Mecklenburg-Vorpommern erreichte das Ostseehochwasser am Abend seinen Höhepunkt und brachte Wasserstände von 1 bis knapp 1,40 Meter über Normal. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald rief die Alarmstufe 2 von 4 aus. Dabei sollen die Deiche auf eventuelle Schäden kontrolliert und wenn nötig mit Sandsäcken abgedichtet werden. Reedereien stellten ihren Fährbetrieb ein, zum Beispiel zwischen Stralsund sowie Schaprode auf Rügen zur Insel Hiddensee. Die Schweden-Schnellfähre von Sassnitz-Mukran nach Ystad wurde für Mittwoch und Donnerstag abgesagt.

Sturmhochwasser an der Ostsee: In Lübeck stehen Straßen entlang der Trave unter Wasser.

Auch in Schleswig-Holstein kam es zu Hochwasser an den Küsten. Betroffen war insbesondere Lübeck. Dort waren einige Abschnitte an der Obertrave nicht mehr passierbar. Fußwege und Parkbänke standen unter Wasser. Teils reichte es auch an einige Hauswände heran. In Travemünde wurden Teile der Promenade und der Fährvorplatz überflutet. Der Sturm sorgte ebenfalls in Kiel für hohe Pegelstände. Die Fährlinie stellte ihren Betrieb auf der Kieler Förde ein, viele Stege der Yachthäfen standen unter Wasser.

An Land warf der stürmische Wind mit Böen über 80 Stundenkilometer Bäume um. Betroffen war vor allem der äußerste Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns. Sie blockierten einige Straßen und auch die Bahnstrecke der Usedomer Bäderbahn. Im Bereich Stralsund stürzten Bäume auf zwei Autos.

Die Ostsee bleibt auch am Donnerstag noch sehr unruhig. An den Küsten von Usedom und Rügen sind Wasserstände von bis zu einem halben Meter über Normal möglich. Auf offenem Meer sind die Wellen noch höher.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gab in der Nacht zum Donnerstag Entwarnung. Demnach sollen die erhöhten Wasserstände am Donnerstag weiter abnehmen. In der Kieler Bucht liegen sie nach jetzigem Stand nur noch 25 Zentimeter über dem mittleren Wasserstand liegen, in der Lübecker Bucht plus 45 Zentimeter sowie auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern um die 40 bis 45 Zentimeter.

Touristen in den Küstenorten genossen das Schauspiel der stürmischen Ostsee. Auf der Insel Usedom waren die Strände schon am Mittwochvormittag überspült. Bild: @ingwerbaer1 via Twitter

An der Ostsee spricht man nicht von einer Sturmflut, sondern von einem Sturmhochwasser. Der Grund: Die Ostsee ist ein Binnenmeer, das nur durch wenige, schmale Wasserstraßen mit der Nordsee verbunden ist. Daher ist sie fast vollständig von den Gezeiten abgeschnitten, Ebbe und Flut sind dort kaum wahrnehmbar. Ursache für Hoch- und Niedrigwasser an der Ostsee ist allein der Wind.

Zieht ein Sturmtief durch, so bewirkt der Wind einen sogenannten "Badewanneneffekt". Im Falle von Sturm GISELA geschieht folgendes: Der stramme, nordöstliche Wind drückt große Wassermassen an die südliche Ostseeküste. An den Küsten von Schweden und Finnland sinken die Wasserstände. Erst ab Freitag lässt der Wind spürbar nach und der "Wasserberg" beginnt wie in einer Badewanne in Richtung Skandinavien zurück zu schwappen.

(Ein Bericht von Tommy Kühnlein aus der WetterOnline Redaktion mit Material von dpa)

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