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Mittwoch, 08.07.2020

Arktis erwärmt sich schneller

Brände und Temperaturrekorde

Die Temperaturrekorde und zahlreichen Waldbrände in Sibirien haben Klimaforscher mit großer Besorgnis aufgenommen. Die Lage bleibt in Russland weiterhin angespannt und die Brände setzen weiterhin große Mengen Kohlendioxid frei.

Satellitenbilder Südsibiriens zeigen den Rauch Dutzender Wald- und Buschbrände. Bild: NASA

Klimaforscher sind besorgt wegen der in Sibirien und im äußersten Osten Russlands wütenden Waldbrände und Rekordtemperaturen. Allein im Juni gelangten durch die Brände schätzungsweise 59 Megatonnen Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre. Das sind sechs Megatonnen mehr als im Juni 2019. Dies teilten Experten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus mit.

Schon Anfang Juli war ein Gebiet von mehr als zwei Millionen Hektar von den Bränden betroffen. Die Fläche ist aktuell auf unter 1 Millionen Hektar gesunken. Besonders in entlegenen Regionen, in denen keine Menschen wohnen, verzichten die Behörden aus Kostengründen auf Löscheinsätze. Dadurch bleibt die Lage weiterhin angespannt und es gelangen weiterhin große Mengen des Treibhausgases CO2 in die Atmosphäre.

Ursache für die Waldbrände sind wahrscheinlich die dauerhaft starken Winde in der Region. Zudem spielen die geringe, winterliche Schneedecke und Feuchtigkeit des Bodes eine Rolle. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Waldbrandes.

Die Abweichung der Frühlingstemperaturen vom langjährigen Durchschnitt hat dramatische Ausmaße angenommen: Verbreitet war es im Frühling 2020 mehr als acht Grad wärmer als im Mittel der Jahre seit 2003. Bild: NASA

Hinzu kommen zahlreiche Temperaturrekorde. Mit 38 Grad wurde in Werchojansk im Norden Sibiriens am 20. Juni ein neuer Hitzerekord aufgestellt. Nie zuvor seit Messbeginn war es nördlich des Polarkreises so heiß. Der bisherige Spitzenwert der sibirischen Stadt lag bei 37,3 Grad und stammt vom 25. Juli 1988.

Zudem stellten die Klimaforscher in Teilen Sibiriens Mitteltemperaturen bis zu zehn Grad über dem Junidurchschnitt fest. Im Mittel lagen die Werte für den arktischen Teil Sibiriens nach Angaben der Wissenschaftler fünf Grad über dem Durchschnitt und damit über ein Grad über den bisher wärmsten Junimitteln 2018 und 2019. Die Arktis erwärmt sich damit schneller als der Rest der Welt, was besorgniserregend ist, sagte der Direktor Carlo Buentempo des Copernicus-Klimawandeldienstes beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen.

(Ein Bericht von Sebastian Keßler aus der WetterOnline-Redaktion / dpa)

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